Schwangerschaftsbeschwerden: sinnvoll, aber lästig.

Du bist schwanger. Juhu! Du solltest strahlen, den typischen „Schwangerschafts-Glow“ haben und Dich rundum wohl fühlen! Du hast es Dir schon so lange ausgemalt, wie es sein würde. Du machst Dich auf die Suche nach dem perfekten Kinderwagen und richtest vielleicht langsam schon das Babyzimmer ein. Und nun? Alles ist anders! Morgens stehst Du auf und übergibst Dich erst mal. Dann versuchst Du ein paar Bissen zu Dir zu nehmen. Es ist schon ein Erfolg, wenn Du morgens einen Kaffee runter bekommst? Du fühlst Dich womöglich flau, Dir ist schwindelig und Du bist eines ganz besonders: MÜDE! Alles ist super anstrengend. Du weißt gar nicht, wie Du Deinen Kreislauf in Schwung bekommst. Dazu kommen Stimmungsschwankungen: Einmal bist Du total gereizt, mal super überschwänglich, mal komplett sentimental und emotional. Kommt Dir davon etwas bekannt vor? Es kann sein, dass Du eine der glücklichen Schwangeren bist, die keine Schwangerschaftsbeschwerden verspürt. Es ist jedoch Fakt, dass tatsächlich recht viele Frauen unter unangenehmen Symptomen - besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft - leiden. Aber wie kannst Du damit umgehen? Eigentlich sollte man doch glücklich sein! Und jetzt kann man es gar nicht richtig genießen. Wie gut, dass es Schwangerschaftsbeschwerden bereits seit Ewigkeiten gibt und jahrelanges Hebammenwissen zur Linderung der Beschwerden weitergegeben wurde. So gibt es einige kleine Tipps oder auch Tricks, die es Dir vielleicht erleichtern können, mit den Symptomen umzugehen.

1. Übelkeit

Übelkeit ist eines der unangenehmsten Symptome einer frühen Schwangerschaft. Besonders morgens, aber auch nach dem Essen oder bei bestimmten Gerüchen, sind viele Frauen davon betroffen.

Hebammentipp

  • Kauen von Mandeln vor dem 1. Aufstehen
  • Mit Aromatherapie arbeiten. Vielen Frauen hilft der Duft von Orange
  • Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt essen
  • Auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten (Schwangerschaftstee)

2. Müdigkeit

Auch Müdigkeit tritt besonders im 1. Trimester auf. Das hat aber auch einen Sinn. Stress und den ganzen Tag durcharbeiten sind für eine gesunde Schwangerschaft nicht förderlich. Ausreichend Schlaf und Ruhe sind wichtig, damit der Körper die Energie tanken kann, die er für die Versorgung Deines Babies braucht.

Hebammentipp (wichtig: nicht bei Bluthochdruck anwenden!)

  • Kreislaufanregende Maßnahmen (oft ist ein niedriger Blutdruck Ursache für Müdigkeit): Bewegung, „Radfahren“ in der Luft, frische Luft schnappen,…
  • Wechselduschen (kalt – warm – kalt – warm – kalt)
  • Stützstrümpfe
  • Rosmarinöl schnuppern
  • Eisenwert im Blut kontrollieren lassen
  • Mehr Ruhezeiten nehmen und ausruhen

3. Sodbrennen

Ein weiterer lästiger Begleiter vieler Schwangeren ist Sodbrennen. Einerseits weil aufgrund der hormonellen Umstellung der Magenschließmuskel weiter und lockerer wird, später auch, weil das Baby manchmal in den Magen „kickt“.

Hebammentipp

  • Milch schluckweise trinken
  • Senf(brot) essen
  • Viele kleine Mahlzeiten
  • Eine Kaffeebohne kauen
  • Haferflocken essen
  • Haselnüsse oder Mandeln kauen
  • Gelatine essen
  • Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen und evtl. medikamentös therapieren lassen

4. Hämorrhoiden

Ich weiß, über diesen Teil sprechen viele Frauen nicht gerne. Ich möchte trotzdem über die lästigen Quälgeister am oder im After sprechen. Auch Frauen, die noch nie mit Hämorrhoiden zu tun hatten, könnten diese vielleicht während der Schwangerschaft kennenlernen. Hämorrhoiden sind schmerzhafte Erweiterungen der Venen am After. Diese können sogar bluten und verursachen einen stechenden Schmerz. Hämorrhoiden sind nichts wofür man sich schämen muss. Sprich mit Deiner Hebamme oder Deinem/r GynäkologIn darüber.

Hebammentipp (vor jeder Anwendung: Rücksprache mit der Apotheke/Hebamme/ArztIn)

  • Eichenrinde Sitzbad
  • Eichenrinde Pölsterchen (Tupfer/ Taschentuch in Eichenrinde-Mischung aus der Apotheke tränken und in den Kühlschrank legen. Im Anschluss auf den After legen. Entferne den Tupfer, wenn er zu kalt ist)
  • Arnica Sitzbad
  • Kühle Topfenauflagen
  • Hämorrhoidensalbe oder Zäpfchen
  • Auf die Nahrung achten – der Stuhlgang sollte nicht zu fest sein

5. Rückenschmerzen

Durch die vermehrte Ausschüttung von Östrogen werden die Gelenke weicher und lockerer (wichtig für die Bewegung und Weitung des Beckens unter der Geburt). Während der Schwangerschaft kann das jedoch auf Grund des wachsenden Bauches, dem Ziehen der Bänder und Muskeln und vielleicht am Ende der Schwangerschaft auch durch Schwangerschaftswehen sehr unangenehm werden. Viele Frauen laufen ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft im typischen „Watschelgang“.

Hebammentipp

  • Wärmeauflagen
  • Kreuzbeinmassage
  • Haltungsschulung und Beckenboden Übungen
  • Ostheopathie
  • Flache Schuhe
  • Rückenschwimmen

6. Krampfadern

Auch Krampfadern sind durch die hormonelle Umstellung und durch größeren Druck auf den Beckenboden bedingt. Wenn Krampfadern auftreten, zeige sie Deinem praktischen Arzt/ Deiner Ärztin, besonders wenn sie schmerzhaft sind.

Zusätzlicher Hebammentipp:

  • Stützstrümpfe
  • Kohlumschläge
  • Beinmassagen von unten nach oben
  • Salben aus der Apotheke
  • Kalte Güsse
  • Zwiebelauflagen
  • Beine hochlagern

Möglicherweise hat Dir der ein oder andere Tipp ein wenig geholfen. Fakt bleibt: irgendwie gehören diese Symptome bei den meisten Frauen dazu. Warum? Weil sie sinnvoll sind. Einerseits zeigen sie Dir, dass es Zeit ist, einen Gang runterzufahren und Dir Pausen zu gönnen. Andererseits sind sie Zeichen für einen guten Hormonhaushalt. Auslöser sämtlicher Schwangerschaftsbeschwerden ist nämlich der neue Hormonhaushalt, der die Schwangerschaft in deinem Körper erst ermöglicht. Die Symptome sind also Zeichen dafür, dass dein Körper richtig gut und intensiv arbeitet und Hormone in großen Mengen ausgeschüttet werden. Vielleicht hilft dir auch dieser positive Gedanke dabei, besser mit den Beschwerden umzugehen. Bereits unsere Lehrhebamme meinte immer „Freut euch über die Symptome, dann wisst ihr: alles läuft, wie es soll.“ Wie immer gilt jedoch: Nehmen die Beschwerden ein ungewöhnliches Ausmaß an bzw. treten zum ersten Mal auf, sprich mit Deiner Hebamme, um abzuklären, ob auch alles in Ordnung ist. Meist wird sie Dich beruhigen und Dir sagen, dass dies nur ein ganz gewöhnliches Zeichen für eine gesunde Schwangerschaft ist!

Ich wünsche Dir, dass Du deine kleinen Quälgeister in der Schwangerschaft mit einer gewissen inneren Freude annehmen kannst, auch wenn sie manchmal lästig sind. Sie sind und bleiben ein Zeichen für das größte Wunder überhaupt: das Glück in Dir! ♥ Für die Zeit nach der Schwangerschaft habe ich Dir einen Artikel rund um das Thema Wochenbett verfasst und eine Checkliste erstellt, sodass Du optimal auf das bevorstehende Abenteuer vorbereitet bist.

*Alle Hebammentipps bitte erst nach Rücksprache mit Deiner eigenen Hebamme oder Deinem Gynäkologen/ deiner Gynäkologin anwenden. Nicht für jede Schwangere kann alles empfohlen bzw. zugelassen und förderlich sein. Z.B. muss bei Frauen mit Bluthochdruck, Diabetes sowie anderen Erkrankungen besonders auf die Anwendung von alternativen Methoden geachtet werden. Daher bitte schlagt eurem betreuenden Fachpersonal vor, was ihr anwenden wollt und holt euch das Einverständnis nochmal für euch individuell ein.